
Der Arbeitstag in einer Rating-Agentur (am Beispiel von Standard & Poor‘s):
Morgens im Bus hört Agentur-Chef Deven Sharma, wie Schulkinder über die amerikanische Wirtschaftskrise reden. Er tippt Notizen in sein Blackberry.
Im Büro angekommen faltet Sharma erst einmal seine Mitarbeiter zusammen, weil ihm keiner ein Memo über den desolaten Staatshaushalt reingereicht hat.
Die Mitarbeiter schwärmen aus, um das Thema an Schulen und Colleges zu recherchieren.
Ein besonders gewitzter und karrieregeiler Praktikant entdeckt an einem Kiosk die New York Times und beginnt den Leitartikel der Wirtschaftsseite zu lesen. Nach fünf Zeilen wird es ihm langweilig und er kauft sich den neuen Playboy.
Während der Mittagspause geht Deven Sharma zum Speed-Rating, wo er eine Lehrerin für Hauswirtschaft kennen lernt. Von ihr erfährt er sensationelle volkswirtschaftliche Basics. Nach zwei Minuten ertönt der Gong. Sharma gibt der Lehrerin ein AAA und bestellt ein Taxi.
Der Taxifahrer ist Grieche und muntert Sharma auf, indem er ihm vom griechischen Staatsbankrott erzählt.
Sharman findet seine Mitarbeiter im Büro über tonnenweise Schulbüchern brüten. Er beschimpft sie als depressive Taugenichtse, die es nicht verdient haben, in einem so blühenden und reichen Land wie den U.S.A. zu leben. Er hält einen volkswirtschaftlichen Kurzvortrag und feuert zwei griechischstämmige Angestellte.
Sharman hält eine Pressekonferenz und vergibt ein AAA+++ für den amerikanischen Staatshaushalt. Die Kollegen von Moody‘s und Fitch übernehmen das Rating, weil Sharman im Gegensatz zu den Schulkindern, die sie morgens in der U-Bahn belauscht haben, ein ausgewiesener Wirtschaftsexperte ist.
Endlich Feierabend. Deven Sharman stößt auf den Amerikanischen Traum an und schaltet den Fernseher ein. Die Nachrichten melden, dass Italien, Irland und Portugal im großen Stil U.S.-Staatsanleihen kaufen. Sharman ist erleichtert, weil Fachleute in Übersee offensichtlich genau so urteilen wie er und schläft zufrieden ein.



“Sharman hält eine Pressekonferenz und vergibt ein AAA+++ für den amerikanischen Staatshaushalt.” und Österreich wird zwischendurch mit AA abgefertigt.
Nette story, klingt wirklich wie aus dem Leben gegriffen. Für die italienische Filiale in Mailand könnte man noch ganz gut die Mafia involvieren. ;-)
…und letztendlich kommen dann solche Bewertungen raus:
http://dummerang.wordpress.com/2012/03/01/rating-agentur-greift-durch/
Ständig Dürren, Fluten, Erdbeben, Hungersnöte, Tsunamis: Jetzt hat die Rating-Agentur Standard and Poors Gott auf AA- herabgestuft. In einer ersten Stellungnahme betonte Gott, er sei nicht schuld, der Heilige Geist habe ihn falsch beraten. Auch der Vatikan reagierte bereits. Gründe den Papst herabzustufen gebe es nicht, denn dieser lasse sich von niemandem beraten, so ein Sprecher des Vatikans. Allerdings habe sich mit der Herabstufung Gottes die Ausgangslage verändert. Da man sich nun auf Augenhöhe befände, seien schon bald Gespräche zwischen Gott und Papst geplant, um die Zuständigkeiten neu zu regeln. Aus Insiderkreisen ist zu hören, dass Standard and Poors nach langem erstmals wieder eine Heraufstufung vornimmt: Die Rating-Agentur will sich in die höchste Kategorie AAA+++ hochstufen.