
Foto: Marcin Wichary
Der IT-Branchenverband Bitkom (“Bitte ein Byte”) und Bundesministerin Ilse Aigner (früher Facebook) haben festgestellt, dass nur 32 Prozent aller Senioren im Internet unterwegs sind. Das bedeutet nichts anderes, als dass 68 Prozent der Alten draußen rumlungern, den Straßenverkehr gefährden oder aber vereinsamt neben dem gekachelten Couchtisch offline gehen.
Um dieser Risikogruppe in Chats und Foren neues Leben einzuhauchen, haben Bitkom und Aigner ein Infoblatt verfasst. Damit sollen Berührungs-Ängste abgebaut und den »Silver Surfern« der Einstieg ins Netz erleichtert werden.
Fischfresse, das Blog mit Herz für Rhythmusstörungen, hat das Dokument überarbeitet und weiter auf die Bedürfnisse unserer Oldies optimiert:
Empfehlungen
für Senioren im Internet
So gehen Sie einfach und sicher online
1. Starthilfe-Angebote nutzen
Zum Beispiel bei der Volkshochschule. Dort wird man auch gelehrt, wenn man die Volksschule wegen der Einberufung zum Volkssturm abbrechen musste. Je weniger man weiß, desto größer ist die Chance, dass der Kursleiter einem etwas beibringen kann. Das Preis-Leistungs-Verhältnis an der VHS ist sogar besser als das eigener Enkel. Dafür besorgen die einem die coolsten Ego-Shooter, wenn man den Volkssturm nachspielen will.
2. Einfachen, ergonomischen PC kaufen
Faustregel: Alte Leute brauchen keine neuen Computer, und umgekehrt. Am besten fragt man den Bengel im Computerladen nach einem »486er«, da sind schon breite Bandkabel eingebaut (siehe unten). Mehr als 600 Euro sollte man dafür aber nicht ausgeben, das wäre Betrug.
3. Den richtigen Internet-Zugang wählen und Preise vergleichen
Breitbandkabelhochgeschwindigkeitstechnikanschlüsse schön und gut, aber noch besser für alte Leute sind die Surfsticks der Mobilfunkanbieter. Damit kommt man kabellos ins Internet und hat eine Stolperfalle weniger gespannt.
Weil Senioren oft über der Tastatur einnicken, die Gebühren aber Bit für Bit weiterlaufen, empfiehlt sich ein so genannter Flatrate-Tarif. Das ist dann wie eine Kreuzfahrt, bei der man Kamillentee trinken kann, soviel man will und auch noch die Münzen für die Perlentaucher unten im Hafenbecken geschenkt bekommt.
4. Komplett-Angebote für PC und Internet prüfen
Das sind besonders reizvolle Angebote, bei denen das komplette Internet bereits in den Computern eingebaut ist. Einfach mal bei Aldi oder Lidl an der Kasse fragen.
5. Nicht an Sicherheit sparen
Um sich vor Viren und Onlinebetrügern zu schützen, reichen dicke Vorhängeschlösser am Computergehäuse nicht aus. Man muss auch aktuelle Sicherheitssoftware installiert haben. Die bekommt man kostenlos bei allen Internetadressen, die auf .ru (»richtig umsichtig«) enden.
6. Gesundes Misstrauen, etwa bei E-Mails von Unbekannten
Also 98% aller E-Mails. Wie sich bei solch einer Quote allerdings gesundes und krankhaftes Misstrauen unterscheiden, muss noch erforscht werden.
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7. Bei seriösen Shops bestellen und sicher bezahlen
Gerade ältere Menschen, die für ihre Bibeln, Windeln und Penispumpen nicht mehr in der Weltgeschichte rumgondeln können, sind Online-Versender eine große Hilfe. Auf keinen Fall sollte man sich allerdings gebrauchte Bibeln andrehen lassen, das wäre unseriös. Konto- und Kreditkartendaten darf man nur verschlüsselt übertragen, zum Beispiel so: d8fzqi9idjsjh6732ndf8jo34198gfdmrewn7ghgb32 (Punkt- vor Strichrechnung beachten).
8. Datenschutz bei Online-Diensten prüfen
Senioren, die wissen möchten, wie beispielsweise beim »Mortal-Portal« mit ihren Daten umgegangen wird, sollten dort vor einer Registrierung per E-Mail Auskunft einholen. Wichtig: Bei solchen Anfragen immer Name, Anschrift, Familienstand, Rentenbezüge und Krankenkasse angeben.
9. Passwörter richtig festlegen und Hilfsmittel nutzen
Das ist die hohe Schule des Internetgebrauchs. Typische Nutzername- / Passwort-Kombinationen wie »Elvis / Presley« oder »Joseph / Goebbels« sind zu unsicher. Besser sind »Elvis / Goebbels« oder »Joseph / Presley«. Richtig stark wäre natürlich »d8fzqi9idjsjh6732ndf8jo / 34198gfdmrewn7ghgb32«. Das können sich Leute über 65 allerdings nicht merken. Als Hilfsmittel und Gedächtnisstütze eignen sich daher Post-its an der Kühlschranktür oder ein Post auf der Facebook-Seite des Enkels.
10. Benutzernamen bewusst wählen
Um auf Internet-Plattformen erfolgreich zu kommunizieren, legt man sich gerne passende Pseudonyme zu. Bei älteren Herren besonders beliebt ist »Mandy95«.
11. Mit persönlichen Daten sparsam umgehen
Während sich im so genannten Real Life (Aldi, Lidl) keine Sau für das Gequassel alter Leute interessiert, finden sie im Internet geneigte Zuhörer. Welcher Enkel wie viel Geld nicht erben wird, mit wem die Nichte es treibt – das sind vertrauliche Angaben, die man nicht leichtfertig ins erstbeste Forum tippen sollte. Vertrauen sie solche intimen Einsichten erst mal einigen ausgesuchten Freunden auf https://twitter.com an (vertrauenswürdig, da »https-Protokoll«).
12. Internet-Zugangsprogramm („Browser“) datenschutzfreundlich einstellen
Hier wird es schwierig für unsere Best-Ager. Einerseits will man den Enkeln nicht unter die Nase reiben, dass man auf Windeln und Penispumpen angewiesen ist, andererseits ist der Browser das einzige Gedächtnis, das noch zuverlässig funktioniert. Löscht man die Browser-Historie, steht man ähnlich ahnungslos da, wie wenn einem die geliebte »Chronik des 20. Jahrhunderts« aus dem Regal geklaut wird.
13. Das eigene Privatleben schützen
Das Internet vergisst nichts. Auch gelöschte Inhalte können als Kopien an anderen Stellen im Web noch vorhanden sein. Das beweist ein kleines Experiment: Wenn man in einem Forum schreibt »Früher war alles besser«, findet man Sekunden später unzählige Kopien im Netz.
14. Weiterführende Internet-Adressen
tippen-trotz-tremor.de
en.wikipedia.org/wiki/Silver_Surfer
penispumpen-fernwartung.de
passwordsafe.ru
Bildquelle: WikimediaCommons – Foto: Marcin Wichary – Lizenz: cc by 2.0



Sie werden auch einmal alt sein.
Schön wär’s.
Den Artikel finde ich soweit sehr gut und gerade für Senioren hilfreich. Aber die weiterführenden Links sind doch ein Witz? So ganz klar ist mir die Sache ja nicht…
Hallo Kristian, vielen Dank für Dein Lob und Deinen Hinweis. Ich gebe zu, dass der Wikipedia-Link zum “Silver Surfer” sich auf den gleichnamigen Comic bezieht und gar nicht auf die Bezeichnung für ältere Menschen im Internet. Ich lasse ihn aber trotzdem so stehen, ein bißchen Spaß muss schließlich sein. :-)
Als ich das Bild gesehen hab musste ich sofort an den “Ur-Apple 1″ denken der zur Zeit versteigert wird :-)
Was das Thema angeht, manche Senioren sind einfach zu alt dafür und man sollte Sie doch einfach in Ihrer Welt lassen, Sie fühlen sich da wohl so wie es ist – auch ohne Facebook und Twitter, auch wenn es die jetzigen Generationen nicht verstehen können
Gruß Thomas
Tag, meine Frau wird morgen 75 und ich will ihr so einen PC, den man auf- und zu machen kann, kaufen. Können sie mir den auf dem Bild bitte als Geschenk einpacken. Bitte laden Sie mir die neue “Gala” in das Internet rein. Und eine 50 Meter Kabeltrommel brauche ich noch. Ich bezahle in bar.
Lieber Senior(?), vielen Dank für Deine verbindliche Bestellung. Den Computer, den Du suchst, nennt man “Laptop” (so wie “Lapdance”, Du weißt schon ;-) ) und ist sicher genau das richtige für Deine Frau. Sie kann ihn zum Bingo mitnehmen und natürlich auch ins Hospiz. Sobald wir eine Shop-Funktion auf fischfresse.de implementiert haben, schicken wir das Gerät an Dich raus. Es entspricht ziemlich genau dem Bild oben (wenn man die Lesebrille abnimmt).
Das Geld für die neue Gala kannst Du tatsächlich sparen, denn alles was da drin steht, wusste das Internet schon vorher. Oder glaubst Du wirklich, die Gala-RedakteurInnen kennen Brad Pitt persönlich? Das gleiche gilt übrigens auch für die Apotheken-Rundschau. Und die Kabeltrommel brauchst Du auch nicht, da hat Dein Kardiologe nur einen Witz gemacht: Die Batterien in Deinem Schrittmacher enthalten genug Plutonium für etwa 200 Jahre.
Guten Tag, danke für Ihr Schreiben. Meine Frau hat schon ein Laptop, um ihre Brust in Form zu halten. Das ist auch dringend nötig. Trotzdem vielen Dank. Ich will lieber den PC zum Auf- und zumachen. Gern auch einen Brat Pitt, wenn ich Sie richtig verstanden habe. Der soll ja ganz gut sein, habe ich gehört. Ich lege das Geld unter die Fußmatte, falls ich nicht da bin.
Ach, jetzt hab ichs, sorry , war etwas begriffsstutzig, “PC zum Auf- und zumachen”, Sie wollen einen automatischen Garagentoröffner! Der wird natürlich prompt geliefert, ich lege ihn unter Ihre Fußmatte, nachdem ich das Geld weggenommen habe.