Die wissen auch nicht, was sie wollen! Obwohl die Atomindustrie in der vergangenen Woche lauter Zustimmung für ihren Vorschlag erhielt, die Kernkraftwerke in Deutschland einfach abzuschalten, schaltet sie jetzt erst mal ganz was anderes: nämlich eine ganzseitige Werbeanzeige in den großen Tageszeitungen. Mit einem »Energiepolitischen Appell« wirbt ein noch in Gründung befindlicher Verein »Energiezukunft für Deutschland« für den weiteren Betrieb der ollen Meiler. Begründet wird die Forderung mit den üblichen Worthülsen, unter Zuhilfenahme einiger Anbiederungsversuche an die nicht mehr zu übersehende Sympathie für Erneuerbare Energien in der Bevölkerung. Die seit fünf Jahrzehnten ungeklärte Frage nach der Entsorgung des Atommülls wird hingegen nicht so sehr thematisiert.
Richtig ulkig ist allerdings, dass unter den 40 Erstunterzeichnern des Appells zwar die üblichen Super-GAU-Leiter der Energiekonzerne, zuzüglich Oli Bierhoff (sein Dad war mal RWE-Vorstand) und Manfred Bissinger (das verstehe, wer will) sind, aber keine einzige Frau. Aber so gar keine.
Was hat das zu bedeuten? Fischfresse analysiert die möglichen Gründe (bevor Spiegel-Online es tut).
Frauen haben keine Ahnung: Atomzeugs und Energiedings sind komplizierte Sachen. In unseren Konzernen können Frauen zwar Ablagen vorlegen und Vorlagen ablegen, sie wissen aber nicht, wo der Hammer hängt und was man damit macht.
Die einzige Ausnahme ist Angela Merkel, die Physik studiert hat (wenn auch nur in der DDR) und sehr wohl Schweres Wasser von Stillem Wasser unterscheiden kann. Sie hätte den »Energiepolitischen Appell« natürlich gerne unterzeichnet, wollte aber dem Vorwurf der Ämterhäufung und dem Spitznamen »Atom-Barbie« aus dem Weg gehen.
Alle Frauen waren gerade beim Einkaufen: Möglicherweise gibt es doch mehr einflussreiche Frauen in Deutschland, als man meint. Das entbindet sie natürlich nicht von den häuslichen Pflichten! Deshalb ist es möglich, dass alle weiblichen BDI-Mitglieder mit Socken stopfen, Staub wedeln und saugen beschäftigt waren.
Frauen haben ein besseres Gedächtnis als Männer: Die Sache mit Tschernobyl (gut, das war in der DDR, aber trotzdem!) ist schon eine Weile her. Wer als Konzernlenker, Hedgefonds-Manager oder BDI-Vizepräsident den Standort Deutschland abwirtschaftet, dem können solche Marginalien der Industriegeschichte durchaus aus dem Oberstübchen purzeln. Frauen hingegen merken sich sowas ganz genau, sie vergessen schließlich auch nicht, wenn man Ende der 80er mal mit Lippenstift am Hosenschlitz nachhause gekommen ist.
Alle Frauen außer Atom-Barbie finden Kernkraft scheiße: Wenn sich doch mal das Restrisiko durchsetzt, wer fegt dann den Fall-out von der Terrasse? Hä? Oli Bierhoff etwa? Der weiß doch gar nicht, in welchem Schrank das Kehrblech liegt. Nö, da muss Mutti wieder ran. Es wäre also kein Wunder, wenn dies der Grund dafür wäre, dass keine Frau als Erste den »Energiepolitischen Appell« unterschreiben wollte: weise Voraussicht.


