Der Baß brummte tief und behäbig. Ich hatte ihn nicht gleich wahrgenommen. Er hatte sich bescheiden zurückgehalten und die Musik auf seinen breiten Schultern tanzen lassen. Nun, da er meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, konnte ich mich seiner Macht nicht mehr entziehen. So satt und klar waberte der Baß durch den Raum und ließ alle Dinge, die Luft, die Fensterscheiben und die Pflanzen davor in seinem Takt erschwingen. Ich begann, den Kopf, danach den ganzen Oberkörper in seinem Rhythmus zu wiegen. Promm Promm, Promm Promm, Promm Promm. Es klang wie das Spiel einer Tuba in einem Bierzelt, die pausenlos zwischen nur zwei Tönen alternierend den Takt für ein einfaches Lied vorgibt. Es klang wie ein dicker Mann, der – sein enormes Gewicht von einem Bein auf das andere schaukelnd – die Straße herunter schwankt. Ich sah das runde Gesicht des Mannes, darüber einen Hut, darunter den mächtigen Körper in einem zu engen braunen Anzug, dessen Nähte jeden Moment zu platzen drohten. Hie und da den Hut zum Gruße lüftend, schaukelte der Mann durch die Stadt. Wo Menschen bei der Arbeit waren, hielten sie inne, nahmen seinen Takt auf, so wie ich es tat, und wippten mit dem Kopf oder schwenkten ihre Werkzeuge hin und her. Die Frauen vergaßen ihre Einkäufe, die Kinder unterbrachen ihr Spiel, und alle winkten dem lustigen dicken Mann zu, der sie mit seinem trägen Rhythmus ansteckte und in Bewegung versetzte. Promm Promm, Promm Promm, Promm Promm. Als schließlich die ganze Stadt eine einzige schunkelnde, tanzende Menge war, als die Baumwipfel sich gleichmäßig hin und her wiegten und alle Materie seinen Schwingungen zu folgen schien, stieg er die Stufen zu einem Haus hinauf und läutete. Ich öffnete die Tür. Der dicke Mann trat ein, löste sich langsam auf und vermischte sich mit der Musik in meinem Zimmer.
Veröffentlicht:
Zeichen & Wunder – Heft 36, Juli 1999



